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  • Claudia Ewen

Georgien April 2023 - Teil 2

Aktualisiert: 12. Juni

Der hohe Norden: Swanetien - Bergdörfer - und wieder Rückkehr nach Tbilisi

20.4.: Heute steht eine größere Fahrt in den Norden an, es geht von Tskaltubo nach Mestia. Mestia ist eine Kleinstadt im nordwestlichen Georgien und liegt auf einer Höhe von etwa 1500 m im großen Kaukasus. Sie liegt in der Region Mingrelien und Oberswanetien und ist Hauptort der historischen Region Swanetien.

Eine äußerst spannende Fahrt auf - zumindest für unsere Begriffe - kaum vorhandenen Straßen, die unser Fahrer Chibo mit Bravour meistert.

Zuerst müssen natürlich wieder sämtliche Riesenkoffer in den Bus. Es ist ja schon fast Routine, allerdings bin ich immer noch beeindruckt, wie Chibo und Koba alles unterbringen...

Ankunft in Mestia/Swanetien - dem "Land" der Wehrtürme

Am nächsten Tag ist das Wetter in Mestia bescheiden und kalt. Langeweile haben wir trotzdem nicht. Wir machen eine Runde durchs Dorf, steigen zu dritt auf einen Wehrturm – das ist gar nicht so einfach, alles will geübt sein. Feinden wären wir in unserem Schneckentempo nicht entkommen, aber es war ganz witzig. Wir sind ein wenig stolz, als wir oben angekommen sind. Nachmittags gehen wir zusammen zur Laghami Kirche, am Ende des Dorfes. Die Kirche ist seit Generationen in Familienbesitz. Der Hausherr hat die alleinige Schlüsselgewalt. Er erklärt uns viele interessante Details zur Kirche, die Fresken aus dem 13. Jhd. hat er selber restauriert.

Auf der Dorfstraße laufen selbstverständlich auch die Kühe gleichberechtigt herum, es wirkt alles ein wenig wie aus der Zeit gefallen und bringt uns immer noch zum Staunen.

Das Abendessen in unserem Hotel ist übrigens sehr lecker, die Köchin hat mit ihren Kochkünsten auch mal ein paar neue Varianten auf den Tisch gezaubert.

Aufstieg zum Wehrturm

Laghami Kirche

22.4.: Heute wird’s goldig. Wir teilen uns in zwei Delicas (Offroader) auf und fahren zum Goldwaschen, bzw. schauen den drei Goldwäschern zu, die wir vorher in ihrem Dorf abgeholt haben. Warum wir Offroader brauchen, wird auch ziemlich schnell klar. Hier wäre unser Bus nicht das geeignete Gefährt gewesen.

Um an die Goldwaschstelle beim Fluss zu kommen, schlagen uns die Männer erst mal einen Weg durchs Gebüsch frei und befestigen ein Seil, an dem wir runter klettern können. Dann können wir beim mühsamen Geschäft des Goldwaschens zuschauen. In einer Woche kommen ca. 2 gr. Gold zusammen.

Anschließend geht es, wieder sehr spektakulär, weiter zu dem kleinen Bergdorf Adishi, das auf 2.100 Metern zwischen Mestia und Ushguli liegt. Es schneit, als wir ankommen, die ganze Kulisse vom Dorf und die Landschaft rundum wirken dadurch etwas geisterhaft und unwirklich. Adishi besteht heute aus 13 Wehrtürmen und ungefähr doppelt so vielen Häusern.

Die Einwohnerzahl ist im Sommer und in der Winterzeit sehr unterschiedlich. Nach dem Schnee, oder gar nach einem starken Regen wird die einzige, ca. 9 km lange Straße zum Dorf gesperrt und es dauert manchmal ziemlich lange, bis die wieder geräumt wird, vor allem ist das im Winter sehr beschwerlich, wegen Lawinengefahr und allgemein schwierige Gelände die Straße zu räumen.“

Immerhin gibt es Gästehäuser (hauptsächlich für die Wanderer im Sommer) mit WiFi. Ich bin überzeugt, dass es funktioniert.

Wieder zurück in Mestia knipsen wir natürlich in der blauen Stunde die beleuchteten Wehrtürme.

23.4.: Wir fahren - wieder mit Allradfahrzeugen - nach Ushguli, ebenfalls ein Bergdorf in Swanetien. Seit 1996 ist Ushguli Teil des Unesco-Welterbes. Auch hier sieht für uns vieles nach „lost place“ aus, es scheint wie aus der Zeit gefallen zu sein. Die Dorfstraßen sind unbefestigt und ungeteert und dementsprechend ziemlich matschig. Aber das Dorf wirkt trotzdem wesentlich belebter als Adishi. Ca. 200 Menschen leben hier dauerhaft, im Sommer steigt die Zahl auf das Doppelte. Auch Ushguli ist bekannt für seine Wehrtürme.

Wir machen eine Runde durch’s Dorf, besichtigen die Kirche und landen danach in einem gemütlichen Café. Armin geht mit Klaus und Heng noch etwas weiter ins Tal rein, sie wandern schon fast im Schnee.

Der nächste Tag steht im Zeichen der sehr langen Rückfahrt von Mestia nach Tbilisi, wo uns noch zwei schöne und entspannte Tage bleiben, bevor es wieder Richtung Heimat geht.

Pünktlich starten wir morgens 8.30 Uhr und kommen nach einer recht sportlichen Fahrt um 18 Uhr in Tbilisi im Hotel an. Da es ein verregneter Tag ist (uns war es egal, wir waren ja im Bus), chauffiert Chibo uns mit dem Bus den kurzen Weg zum Restaurant in Tbilisi.

25.4.: Heute bekommen wir mal ganz andere Fotomotive. Aber da wir erst um 11 Uhr starten, ziehen Heng und ich noch ein wenig durch Tbilisi.

Auf dem Rückweg gehen wir eher zufällig in die Nikolauskirche nahe beim Hotel. Wahrscheinlich lag noch Weihrauch in der Luft, deswegen brach sich das Morgenlicht aufs Feinste darin. Da kann ich einfach nicht widerstehen. Ein Priester bedeutete mir, nicht zu fotografieren, was ich natürlich akzeptiert hätte. Aber ich zeigte ihm die Bilder von dem tollen Licht (und damit auch, dass ich es nicht auf die Leute abgesehen habe). Ich durfte ganz offiziell weiter fotografieren!

Es werde Licht!

Anschließend fahren wir zum Fotoshooting, vier Models (drei Frauen und ein Mann) posieren für uns vor der Kulisse des ziemlich imposanten "Denkmal der Chronik Georgiens".

Nach diesem recht lustigen Shooting fahren wir weiter zur Festung Ananuri (Burg, Kirche und Kloster) an der georgischen Heerstraße.

Der absolute Höhepunkt eines Tages, der eigentlich nur aus Höhepunkten bestand ist der Besuch bei Koba's Familie. Neben dem herzlichen Empfang, einem wunderbaren Essen, vielen Trinksprüchen und guten Gesprächen spielte diese fantastische Musikerfamilie natürlich auch ein paar Stücke für uns.

Hier eine kleine Hörprobe der tollen Musiker

Das nächtliche Tbilisi auf dem Rückweg zum Hotel.

26.4.: Unser letzter Tag… Wir schlendern durch das sonnige Tbilisi, ziehen in verschiedene Richtungen los, je nach Lust und Geschmack – Streetart, Festung und Hinterhöfe… und zum Schluss schaffen wir es auch noch zur imposanten Sambesi-Kathedrale.

Die Sameba-Kathedrale: Sie ist eine der Hauptkirchen der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche und das größte Kirchengebäude in Transkaukasien.