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  • Claudia Ewen

Georgien: 03.05.-19.05.2019


Nun sind wir also wieder zu Hause, nach zwei Wochen Georgien. Wir, das sind 9 Teilnehmer einer Fotoreise und unser Organisator, Jens Medenwaldt (lichtraum-foto.com).

Es scheint mir immer noch fast unmöglich, die ganzen neuen und fremden Eindrücke zu beschreiben.

Also dann mal alles ganz von Anfang an:

Zum Anfang gehört, dass wir ohne Jens Medenwaldt, ein großer Georgienfreund- und Kenner, sicher nie nach Georgien gekommen wären. Und um es gleich vorweg zu sagen: Die ganzen 14 Tage hätten besser nicht sein können, in all ihrer Fremdheit, mit all den Kontrasten und dem uns ungewohnten georgischen Leben, mit all dem, was wir erlebt haben.

Der Flug von Luxemburg nach Tbilisi, mit Zwischenlandung auf dem neuen Flughafen in Istanbul verlief unkompliziert. Nach unserer nächtlichen Landung wurden wir und einige andere Teilnehmer unserer Gruppe gegen 3 Uhr morgens mit einem Kleinbus der Reisefirma "Georgia Insight" (georgia-insight.eu) abgeholt und in unser schönes und trotz der zentralen Lage ruhig gelegene Hotel Suliko (suliko.eu) gebracht.

Unsere georgische Reiseleiterin Tika war schon ab diesem frühen Moment unsere Begleiterin. Sie war ein Schatz und las uns in den nächsten Tagen jeden Wunsch und jede Frage von den Augen ab. Wir spürten die Liebe und Begeisterung für ihr Land, von dem sie uns soviel erzählte, beschrieb und erklärte.

Nach ein paar Stunden Schlaf und einem sehr späten Frühstück waren wir fit, die nähere Umgebung des Hotels und den Rustaveli-Boulevard zu erkunden und die ersten Eindrücke von Tbilisi einzufangen (mit Augen, Ohren und Fotoapparat :-)).

Nach einem regnerischen ersten Tag verbesserte sich das Wetter um 100%, und wir hatten bis zum Schluss perfektes, frühsommerliches Wetter. Wenn Engel reisen...

Hier ein paar erste Eindrücke von Tbilisi: Flohmärkte, Hinterhöfe, Treppenhäuser. Einiges, eigentliches vieles sieht für uns nach "lost place" aus, ist aber bewohnt. Daneben steht die oft ansprechende moderne Architektur.



Am 3. Tag fahren wir zuerst in die Altstadt von Tbilisi und danach ca. 90 km nach Djimiti, wo wir Gäste bei einer georgischen Familie sind. Die Frauen zeigen uns die traditionelle Art des Brotbackens und der Hausherr das Brennen des Chacha, einem leckeren georgischen Schnaps.

Danach wartet ein mehr als reichlich gedeckter Tisch auf uns. Auch dies eine fremde und sehr sensitive Erfahrung. Der Tisch ist voll mit Köstlichkeiten, kalten Speisen, Brot und natürlich Wein. Die einzelnen Gänge werden nicht abgeräumt, alles bleibt bis zum Schluss stehen. Wenn ein neuer Gang - Fleisch zum Beispiel - hinzukommt, stapelt sich das Essen. Alles ist seeehr lecker.

Dann beginnt der Tischherr, der Tamada, mit den Trinksprüchen. Mitunter sind es kleine Geschichten und Anekdoten. Es gibt vieles, auf das man trinken möchte: Freundschaft, Frieden, Familie... und nach und nach fällt den meisten in unserer Runde etwas ein, das wichtig ist, erwähnt zu werden. Die Trinksprüche werden zunehmend rührender und philosophischer, was nicht zuletzt auch dem hervorragenden hausgemachten Wein geschuldet ist. Jeder Trinkspruch wird würdig begossen, was uns zugegebenermaßen bei dem sehr guten und hausgemachten Wein nicht schwer fällt.


Auf unseren Trips durch's Land besichtigen wir natürlich auch einige Kirchen. Für Frauen ist Kopftuch und zumindest ein angedeuteter Rock Pflicht (bekommt man in den Kirchen, wenn man grade nicht selber ein Tuch zum Umschlingen dabei hat). Mich hat die Zahl der Gläubigen, auch unter den Touristen überrascht.

Anschließend machen wir ein kleines Fotoshooting an einem Bahnhof, optisch wieder ein "lost place", aber entgegen allem Anschein noch in Betrieb. Aber unser Hauptmotiv war ja die attraktive Rus Ka, die gerne unser Model war.


Hier ein paar Eindrücke von unserem anschließenden Abendessen im Dorf Udabno und ein nur halbwegs geglückter Sonnenuntergang auf dem Rückweg (die Sonne verhielt sich anders als geplant :-))


In den nächsten Tagen fahren wir durch atemberaubende Landschaften, vom kleinen Kaukasus im Süden zum großen Kaukasus im Norden. Durch kleine, wunderschöne Täler, die nur mit Offroadern zu erreichen sind. Nicht immer wussten wir, ob wir unser Ziel auf den Schotterwegen und im Schritttempo erreichen würden.

Wir fahren über den Gombori-Pass nach Telavi, wo wir durch Markthallen gehen. Wieder eine sensitive Erfahrung für Augen und Nase. Wir sehen viel, viel Ungewöhnliches, versuchen manchmal, mit den Verkäuferinnen in Kontakt zu kommen. Da müssen Hände, Füße und Mimik herhalten, mit Worten ist uns die Verständigung ja nicht möglich. Es klappt nicht immer, aber manchmal wurde die Stimmung ganz entspannt und lustig. Zum Beispiel, als wir ins Gespräch mit einer Marktfrau kamen und die anderen dann entdeckten, dass sie in diesen Minuten der Star war und die Aufmerksamkeit genoss.

Weiter geht es zu einer Weinprobe auf dem Weingut Mosmieri. Hatte ich schon betont, dass die georgischen Weine ausgezeichnet sind :-)))



Unterwegs treffen wir immer wieder auf Schaf- und Viehherden und Pferdekarren, die sich die Straßen gleichberechtigt mit den Autos teilen. Mich wundert es, dass das normalerweise ohne Zusammenstöße abläuft. Bevor wir uns an den Anblick gewöhnen, sind es in jedem Fall interessante Fotomotive für uns.


Wir packen - für die nächsten 3 Tage geht es in den Süden, in den Wintersportort Bakuriami im kleinen Kaukasus. Auf dem Weg dorthin fahren wir nach Gori, der Geburtsstadt Stalins, in die Höhlenstadt Upliziche und in den Kurort Borjomi - hier kommt das berühmte Wasser her.

Die Festung Rabat in Akalziche ist unser erster Stop. Bestes Wetter, die große Festungsanlage ist fast menschenleer, wir können nach Lust und Laune fotografieren. Tika und Lasha (ein georgischer Fotograf und Freund von Jens, der uns ebenfalls die ganze Zeit begleitet), sind zu mutigen Sprüngen bereit :-))


Weitere Motive sind Hängebrücken, die nicht nur uns sondern erstaunlicherweise auch Autos aushalten, und natürlich immer wieder die Landschaft, die uns regelrecht verzaubert.




Abends sind wir in Vardzia auf Valodia's Lodge angekommen...



...und besichtigen am nächsten Tag die nahe gelegene Höhlenstadt, bevor es wieder 270 km zurück nach Tbilisi geht.




Dies und das, Störche und Gasleitungen:



Und noch ein paar Stops zwischendurch:

Ein verrosteter Eisenbahnwagon, der einen Fluss überspannt; ein Kloster; Frauen bei der Arbeit auf dem Feld, mit denen wir Dank Tika ins Gespräch kamen und eine kleine Kirche am See vor der Kulisse des Kleinen Kaukasus.

Das Kloster David Garedja ist ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Es ist das älteste Kloster Georgiens und liegt in der Region Kachetien, unmittelbar an der Grenze zu Aserbaidschan.

Die Fahrt bis zum Kloster ist mal wieder spannend. Von Straßen kann man nicht reden, es sind unbefestigte Wege, Nebenwege und Schotterpisten, selbst für die Offroader eine Herausforderung, recht abenteuerlich. Selbstverständlich sind wir gut angekommen. Vom Kloster aus klettern wir - und das war wirklich anstrengend - auf einen Grat, die Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan. Von jedem Land sind jeweils 3 Wachtposten mit Gewehren präsent. Am Ende unseres Urlaubes erfuhren wir, dass David Garedja wegen Streitigkeiten der Länder für einige Tage gesperrt sei.

Endlich oben angekommen, erstreckt sich auf beiden Seiten eine Landschaft, an der wir uns kaum satt sehen können.


Unser nächstes Ziel ist Stepantsminda. Vom Hotel aus haben wir den perfekten Blick auf den Kasbeg und der Gergeti Dreifaltigkeitskirche, zu der wir am nächsten Tag fahren.




Ganz spontan schieben einige von uns noch einen Hubschrauberflug ein. Es ist toll, das ganze Panorama von oben zu sehen.



Mit den Offroadern fahren wir durch das Snotal und durch das Trussotal, wo das verfallene Dorf Ketrisi an der südossetischen Grenze unsere Endstation ist.


Das Ende rückt näher. Wir fahren für die letzten beiden Tage wieder ins Hotel Suliko in Tbilisi, ca. 160 km. Unterwegs kehren wir bei einer Musikerfamilie zum Essen ein. Selbstverständlich spielen sie für uns auch traditionelle georgische Musik, ein Moment mit Gänsehautfeeling.

Abends sehen wir uns im Europapark Tbilisi bei Nacht an. Die moderne Architektur und die blau beleuchtete Friedensbrücke sind grade bei Nacht spektakuläre Motive.




Es heißt Abschied nehmen. Am letzten Tag schlendern wir nochmal durch die Straßen und Gassen von Tbilisi. Wieder ziehen uns die Kontraste zwischen modernen Neubauten und alten Häusern in den Bann. Wir beginnen unseren Rundgang bei der Metrostation Avlabari und schlendern hinauf zur mächtigen Sameba-Kathedrale. Dann noch ein letztes Mal über den Rustaveli-Boulevard. Vielleicht finden sich noch einige Souvenirs. Draußen ist es sommerlich warm, fast schwül. Gewitter liegt in der Luft. Aber es kann uns egal sein. Um 3 Uhr morgens werden wir vom Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht. Es wird eine schlaflose Nacht, die morgens um 11 Uhr auf dem Luxemburger Flughafen endet. Und damit auch die wunderschöne und unvergessliche Reise, die Lust macht, dieses tolle Land wieder zu besuchen.



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